Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Hördt

Hördt liegt auf dem westlichen Hochufer des Rheins und etwa 7 km südlich von Germersheim. Ein Großteil der Gemarkungsfläche liegt in der Rheinniederung.

Ursprünglich war es Aufgabe aller Männer, das Dorf vor Feuer und Wasser zu schützen.
Die Nachtwächter und Stundenbläser alarmierten die Einwohner bei Feuer- oder Wassergefahr.

Ihre letzte Unterkunft war das sogenannte „Wachthaus“. Es stand gegenüber dem jetzigen Gemeindehaus, dort, wo vor einigen Jahren noch die alte Brückenwaage eingebaut war. Im Jahre 1854 stellte die Gemeinde Überlegungen wegen des Baues eines Gemeindehauses an. Verschiedene Umstände, die für und gegen den Bau sprechen, sind angegeben. Danach ist die Zahl der Schulkinder von 360 im Jahre 1847 auf 296 im Jahre 1854 zurückgegangen und fällt noch ständig wegen der Auswanderungen. Das Wachthaus ist baufällig und die darin aufbewahrten „ Rheindammgeräte“ und die „ Feuerspritze“ müssen besser untergebracht werden. In den Plänen und den Zeichnungen für das Gemeindehaus erscheint 1859 neben anderem deshalb eine ‚.Spritzenremise. Schon viel früher weisen Rechnungen den Kauf von Löscheimern und Pechkränzen nach. Die Entstehung der ersten Feuerwehr, der Pflichtfeuerwehr, läßt sich jedoch nicht nachweisen. Das älteste vorhandene Schriftstück über die Pflichtfeuerwehr ist ein Schreiben des damaligen Königl. Bayer. Bezirksamtes Germersheim vom 30. November 1881. Es handelt von einer am 26. April 1880 durchgeführten gemeinschaftlichen Hauptübung der Pflichtfeuerwehren von Hördt, Kuhardt und Sondernheim. Ein Accord vom 19. Januar 1893 regelt die Unterhaltung der vorhandenen zwei Feuerspritzen. Die lnspektionsberichte bis zum 1. Weltkrieg stellen der Feuerwehr ein gutes Zeugnis aus. Auch über den 1. Weltkrieg hinweg besteht die Pflichtfeuerwehr weiter. Die jetzige Freiwillige Feuerwehr wird am 20. November 1927 in der Wirtschaft „Zum Karpfen“ im Anschluß an die Jahresabschlußübung der Pflichtfeuerwehr gegründet. Gründungsmitglieder sind:

Karl Waldinger, Kommandant

Edmund Fischer, 1. stellv. Kommandant

Theo Fischer, Adjutant

Anton Weiller, Adjutant

Sigmund Heyd, Zugführer

Josef Mildenberger, Zugführer

August Wissel, Zugführer

Becht Heinrich, Gruppenführer

Franz Ehnes, Gruppenführer

Otto Fischer, Gruppenführer

Anton Marz, Gruppenführer

Becht August 3., Becht Friedrich, Becht Anton, Becht Otto 1., Becht Christian, Becht Albert, Becht Max, Becht Peter , Bindner Franz, Bergmeister Karl jun., Bast Alfons, Bast Adam, Billerth Karl, Billerth Peter, Döringer Georg, Dollt Siegmund, Fromm Johann Philipp, Fischer K. Theodor, Fischer Josef 4., (Hornist), Fischer Josef 5., Fischer Hugo, Fischer Edmund 2., Freudenstein Eugen, Gundermann Oskar 1., Grefig Otto, Grehl Michael 2., Haber Franz, Hänlein Jakob, Huber Karl, Huber Josef, Huber Eugen, Kohler Franz, Krieger Wilhelm, Krieger Eugen, Kuhn Franz, Liebel August 1., Neunreither Tobias, Pfahler Josef, Sutter Karl,  Sutter Philipp, Stibig Max, Stibig Xaver, Steiff Leo, Schweickert Erwin, Völker August 1., Waldinger Oskar ,  Wolf Fritz, Wetzka Eduard.

1928 schließt sich die Musikkapelle unter ihrem Dirigenten Franz Becht der Freiwilligen Feuerwehr an. Sie wird zur Feuerwehrkapelle. Bei vielen Veranstaltungen, auch bei den Inspektionen sorgt stets die Kapelle für den entsprechenden Rahmen.

Über die neu gegründete Freiwillige Feuerwehr berichtet das Vereinsbuch von einem blühenden Vereinsleben.
Aber schon im April 1929 meldet das Buch:

„Am 31. März ist unser allverehrter Kommandant Herr Karl Waldinger plötzlich gestorben.
Wir verlieren an ihm einen Mann der sich um die Feuerwehr, besonders um die Freiwillige Feuerwehr, sehr verdient gemacht hat. Wir werden ihm daher, dem tüchtigen Kommandanten und eifrigen Feuerwehrmann,
ein stets treues Andenken bewahren.“

In dem späteren Ehrenkommandanten Edmund Fischer erhält die Wehr einen neuen Führer. Neben dieser Freiwilligen Feuerwehr besteht jedoch die nach den damals geltenden feuerpolizeilichen Bestimmungen vorgeschriebene Pflichtfeuerwehr weiter. Weil keine Wasserleitung vorhanden ist, sind im Brandfalle eine Menge Leute erforderlich.
Erst nach dem Kauf der neuen Motorspritze im Jahre 1941 wird die Pflichtfeuerwehr aufgelöst. Die Freiwillige Feuerwehr besteht allein weiter. Wegen der Einberufung vieler Wehrmänner zum Kriegsdienst müssen jedoch schon bald ganze Jahrgänge junger Männer als Feuerwehrpflichtige
herangezogen werden. In den Kriegsjahren 1942—1944 stellte die Wehr eine Einsatzgruppe unter Führung von Oskar Waldinger, die bei den

Bombenangriffen in Ludwigshafen, Frankenthal, Mechtersheim, Neuhofen und Rheingönheim wiederholt im Einsatz war.
Nach dem Kriege 1945 muss zuerst wieder eine neue Motorspritze angeschafft werden, weil die alte von den amerikanischen Besatzungstruppen mitgenommen wurde.
Die französischen Besatzer halten in ihrer Angst, in der Feuerwehr könnte „ Militarismus“ herangebildet werden, die Mannschaftsstärke so klein, das allgemein auf die unzureichende Stärke im Ernstfall hingewiesen wird.
An die Steile des bis dahin mit großem Elan, Umsicht und Redegewandtheit amtierenden Wehrleiters Edmund Fischer tritt nun Oskar Waldinger. Stellvertreter Erwin Schweickert, Gruppenführer Haber Franz, Doll Alfons, Becht Pius und Hänlein Franz als Hornistenobmann.

Die Wehr wird nach Aufhebung der Kirektiven der Militärregierung so stark, das sie allen Anforderungen gewachsen ist.
Eifrig im Dienst, fehlt es der Wehr auch nicht an der Lust für gesellige Unterhaltung. Auch in der sogenannten RM-Zeit finden Bälle statt. Der letzte in dieser Zeitspanne am 20. Juni 1948. Wehrleiter Oskar Waldinger schrieb in das Protokollbuch darüber.,, Die Unkosten von RM 200,— konnten wir noch mit altem Geld begleichen. Einige Stunden später hatte dasselbe seinen Wert verloren.

Ein neuer Rahmen entsteht ab der ersten Löschübung nach Verlegung der Wasserleitung am 29. 6. 1952. Jetzt sind nur noch eine geringe Zahl Wehrmänner erforderlich. Noch einmal wird die Wehr zum großen Einsatz gerufen. Am 20. Januar 1955 hat der Rhein am Deich den Höchststand von 8,58 m erreicht. Weil das Wasser schon lange Tage hoch am Deich steht, fürchtet man ein Durchweichen des Dammes. Der stete Rückgang verhindert dann das Schlimmste.

Nach und nach schrumpfte der Mannschaftsbestand der Wehr. Es bildet sich jedoch ein Kern, für den Feuerwehrdienst Ehrendienst ist. Bei den im Landkreis eingeführten Kreiswettkämpfen ist eine Gruppe der Hördter Wehr von Anfang an dabei. Die Männer und Gruppenführer wechseln nur in geringen Umfang. Es sind fast immer dieselben, die unermüdlich trainieren.
Ihr Fleiß wird belohnt. 1962 in Jockgrim erreichen sie den 2. Platz mit 195 Sek.
In Westheim 1963 ist es der 2. Platz mit 172 Sek. Bei den geteilten Übungen 1964 wird in Leimersheim mit dem Anhänger der 2. Platz bei 189 Punkten und in Rülzheim mit dem Fahrzeug der 3. Platz bei 177 Punkten erreicht. Das sind Fruchte unvoreingenommenen Eifers und rechtverstandener Kameradschaft. Obwohl zum großen Teil schon Familienväter, ist den Männern keine Übung zuviel. Es ist „ihre“ Wehr, deren Ruf sie zu vertreten haben.
Sie geben das Beispiel ernsthaften Wollens und Strebens. Wo es gilt, sind sie da, am Brandplatz, bei örtlichen Veranstaltungen, bei Verkehrssperren, und im Ernstfall zeigen sich die Auswirkungen des Übens für den Wettkampf.

Ab 1965 bildet sich eine erste Jugendgruppe. 1968 und 1974 treten jeweils eine weitere Anzahl Jugendlicher der Feuerwehr bei.

Auch bei der Feuerwehr ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Aber die jungen Männer sind auf dem richtigen, ihnen von ihren Vorgängern vorgezeigten Weg.

Eifer und Kameradschaftsgeist der Wehr drückt sich u. a. auch in dem in den Jahren 1968/69 in Eigenhilfe erfolgten Umbau des früheren ( ) zu einem Mannschaftsraum aus, nachdem für die Unterbringung der Geräte andere Räumlichkeiten ebenfalls durch Arbeitsleistungen der Wehrangehörigen hergerichtet wurden.

Nicht unwesentlichen Anteil an dem Heranwachsen eines solchen Geistes der Opferbereitschaft in der Feuerwehr haben die früheren Kommandanten Fischer Edmund 1 und Oskar Waldinger. Edmund Fischer, zuletzt Ehrenkommandant, verstarb am 2. 3. 1972 und Oskar Waldinger am 4. 6. 1973. Ihnen ist die Gemeinde für die vorbildliche Führung der Wehr zu großem Dank verpflichtet und wird Ihnen ein stetes Andenken bewahren.

Das Amt des Wehrleiters wurde bereits im Juli 1971 von Ewald Waldinger übernommen, der mit dem gleichen persönlichen Engagement das Werk seiner Vorgänger fortsetzt.

Als Folge der Verbandsgemeindebildung erhält die Freiw. Feuerwehr ab 1. 7. 1974 die offizielle Bezeichnung „Feuerwehreinheit Hördt“, die organisatorisch in die Verbandsgemeindefeuerwehr eingegliedert ist. Leiter der Verbandsgemeindefeuerwehr wird Herr Wagner aus Rülzheim. Ewald Waldinger ist ab dem genannten Zeitpunkt Wehrführer der örtlichen Feuerwehreinheit

Diese Organisationsmaßnahmen haben jedoch keine Auswirkungen auf die bis dahin gezeigte Eigeninitiative und das sehr gute kameradschaftliche Verhalten der einzelnen Wehrangehörigen. Nach wie vor sehen es der Wehrführer und seine Männer als ehrenvolle Aufgabe, Ihnen dankt die Bevölkerung für die stete Einsatzbereitschaft zum Schutze gegen Gefahren für Menschen, Tiere, Hab und Gut und für den damit bewiesenen vorbildlichen Bürgersinn.

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